Wiederaufbruchsstimmung nach 2 Jahren Pause bei den Verbänden

Gaston Saborowski, Vizepräsidenten des Sächsischen Blasmusikverbandes e.V.

Der „Tag der Sachsen“ ist allen voran das Fest der Verbände und Vereine. Wir möchten diesen Kerngedanken gern wieder vertiefen und den Vereinen eine tolle Präsentationsfläche geben. Dass der Gedanke ankommt, zeigt uns das erneute Engagement des Sächsischen Blasmusikverbandes e.V. Nach mehrjähriger Abstinenz vom „Tag der Sachsen“ wollen Sie sich in Frankenberg wieder als gesamter Verband einbringen. Wir haben mit Gaston Saborowski, dem Vizepräsidenten des Verbandes gesprochen:

Stellen Sie doch ihren Verband bitte einmal kurz vor?

Wir, der Sächsische Blasmusikverband und seine Bläserjugend Sachsen, sind der Fachverband für alle Amateure der Bläsermusik in Sachsen und weiteren Teilen Mitteldeutschlands. Seit unserer Gründung vor über 30 Jahren ermöglichen wir generationsübergreifend Zugang zu fundiertem musikalischem wie soziokulturellem Wissen, bieten barrierearme musikalische Begegnungsräume für alle Generationen und Genre der Bläsermusik und vertreten hörbar die Interessen der AmateurbläserInnen in der Gesellschaft. Wir gestalten mit unseren vor Ort in Stadt und Land anerkannten Mitgliedsvereinen unseren Freistaat Sachsen nachhaltig und zukunftsfähig und präsentieren diesen weltweit offen. Als partizipativer Verband bilden wir das Dach für Blasorchester, Spielmanns- und Fanfarenzüge, Fanfarenorchester u.a. Musikvereine sowie Fördernde der Bläsermusik im Freistaat Sachsen und Teilen Mitteldeutschlands. Unsere ca. 5.000 aktiven Mitglieder (Kinder- und Jugendanteil 57 Prozent) in über 60 Musikvereinen verstehen sich in ihrer Gesamtheit als TrägerIn künstlerischer Arbeit und kultureller Bildung. Durch unsere Kooperationen mit weiteren sächsischen Landesverbänden vertreten wir mehr als 10.000 musikbegeisterte Menschen. Unsere Projekte sind nachhaltige Gestaltungselemente bürgerschaftlichen Engagements und haben eine wertbeständige Außenwirkung weit über die Landesgrenzen des Freistaates hinaus. Als Verband kümmern wir uns um die Bewahrung, Pflege und Weiterentwicklung der sächsischen Amateurbläsermusik.

Warum sind Sie damals aus dem Kuratorium ausgeschieden?

Der „Tag der Sachsen“ ist das Fest für alle sich ehrenamtlich engagierenden Menschen im Freistaat. Über die Jahre hat es sich zum größten Volksfest in Sachsen entwickelt, was für sich sehr gut ist. So ist auch etwas der Kerngedanke aus Verbandssicht eingeschränkt worden. Dazu kamen personelle Veränderungen im Präsidium des Blasmusikverbandes, welches in der Summe zu, aus heutiger Sicht, vorübergehendem ruhendem Engagement im Kuratorium geführt hat. Aktiv war der Sächsische Blasmusikverband aber trotzdem auf dem „Tag der Sachsen“. So waren unsere Mitgliedsvereine in Eigenregie auf dem Fest vertreten und zeigten damit die Leistungsfähigkeit sächsischer Bläsermusik.

Warum beteiligt sich Ihr Verband nach 2 Jahren Pause jetzt wieder am „Tag der Sachsen“? Was sind Ihre Hoffnungen und Erwartungen an den „Tag der Sachsen“ in Frankenberg/Sa.?

Entscheidungen sind auch dazu da, dass sie immer wieder hinterfragt werden. So ist das aktuelle Präsidium des Verbandes zum Entschluss gekommen, wieder aktiver im Kuratorium sich einzubringen, um gebündelt die sächsische Bläsermusik zu präsentieren. Schließlich sind die Musikvereine gerade in der ländlichen Region ein wichtiger Partner, um bürgerliche Arbeit für unsere Gesellschaft zu ermöglichen. Sei es hochqualifiziertes, gut ausgebildetes Fachpersonal in der Region zu halten, seien es gut gestaltete Ganztagsangebote an den Schulen, seien es – wie in der Pandemie schmerzlich vermisst – Orte der Zusammenkunft zu sein. Dieses auf dem „Tag der Sachsen“ zu präsentieren, mit anderen Verbänden und mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen Bereichen der Gesellschaft ins Gespräch zu kommen und dabei nicht den eigentlichen Zweck unserer Vereine – Musik zu spielen – zu vergessen – dies alles sind unsere Erwartungen an das gemeinsame Wochenende Anfang September 2022 in Frankenberg/Sa.

Was verbindet Ihren Verband mit dem Tag-der-Sachsen-Motto „Sachsens Pioniergeist entdecken“?

Den Pioniergeist in der Blasmusik sehen wir vor allem gelebt in unseren 6 Leitsätzen, die wir verfolgen und an denen sich unser Verband tagtäglich ausrichtet. Diese sind:

1. Sächsische Traditionen fortführen – Wir knüpfen an die großartige musikalische Tradition Sachsens mit Komponisten wie, Robert Schumann Felix Mendelssohn Bartholdy und C.Maria von Weber u. a. an. Das Kulturland Sachsen ist reich an musikalischen Traditionen im Bläserbereich. Von den Hof- und Ratsmusici bis in die heutige Zeit versteht sich die sächsische Bläser- und Bläsermusikkultur als Bestandteil einer nachweislich hochentwickelten Traditionslinie. Hier gilt es mit Blick auf zukünftige Entwicklungen anzuknüpfen. Die Namen großer Musiker stehen dabei beispielhaft für ihr Wirken im künstlerischen und musik-pädagogischen Feld.

2. Amateurmusik pflegen – Unser Grundanliegen ist die Bewahrung, Pflege und Weiterentwicklung der Amateurmusik, insbesondere der Amateurbläsermusik in Sachsen. In der generationen- und genreübergreifenden Bläsermusik sind in besonderem Maße Chancen zur Traditionspflege und -entwicklung vorhanden. Aufbauend auf den Traditionen gilt es, innovative Konzepte zu entwickeln, um den Leistungsstand und die Vielseitigkeit der Musikkultur in Sachsen im Amateurbereich fortzuführen.

3. Kinder- und Jugendarbeit ausbauen – Im Mittelpunkt steht die Gewinnung und Förderung von Kindern und Jugendlichen für eine musikalische Bildung und die Vermittlung sozialer Kompetenzen. Als Grundlage für die Pflege und Bewahrung wird die kontinuierliche und pädagogisch orientierte Weitergabe kulturellen Wissens an die nachfolgenden Generationen verstanden. Neben der sozialen Komponente des gemeinsamen Musizierens bildet das Bemühen um ein verstehendes Lernen und begreifendes Anwenden der kulturellen Traditionen den Schwerpunkt. Voraussetzung für die Umsetzung dieser Ziele ist der weitere Ausbau der Kooperationen mit Einrichtungen zur kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen.

4. Vereinskultur fördern – Stätte unseres Wirkens sind die Vereine in ihrer ganzen Vielfalt und mit ihrem gesamten Aufgabenspektrum. Der soziokulturelle Umbruch der Amateurbläsermusik seit der Wende wurde maßgeblich von ehrenamtlich Aktiven geleistet. Der SBMV e.V. betrachtet die Vereinskultur als unverzichtbaren Bestandteil der sächsischen Kulturlandschaft. Er unterstützt und begleitet die Vereine unter anderem durch Weiterbildung sowie Vertretung ihrer Interessen. Die Vereine sind die Heimstatt für Menschen jeden Alters und sozialer Herkunft, die gemeinsam musikalische Traditionen pflegen und das kulturelle Leben in den Städten und Gemeinden wesentlich prägen und bereichern.

5. Ehrenamt stärken – Im Hinblick auf ihre Leistung für ein intaktes gesellschaftliches Leben verdienen die kulturell-musisch orientierten Vereine höchste gesellschaftliche Wertschätzung und Unterstützung. Die öffentliche Akzeptanz der Bläsermusik als tradiertes Kulturgut mit pädagogischen Aufgaben ist im Freistaat Sachsen grundsätzlich vorhanden. Der SBMV e.V. sieht es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, allen Trägern soziokultureller Arbeit gleiche Chancen und Rechte einzuräumen. Dies bedeutet für die Amateurmusik, denselben Stellenwert wie für die Sportkultur zu erreichen. Dieses hehre Ziel erfordert die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Arbeit, ihre öffentlichkeitswirksame Darstellung und die gemeinsame Anstrengung aller Akteure. Die Bläsermusik beansprucht aus diesem Selbstverständnis heraus die gleiche Wertschätzung und Beachtung der politischen Instanzen sowie die entsprechende mediale Präsenz in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

6. Brücken bauen, Menschen verbinden – Musik ist wie eine internationale Sprache, sie wird auf der ganzen Welt verstanden und verbindet damit alle Menschen. Musik ist ein Beitrag zur Völkerverständigung, zu Toleranz und Frieden. Im europäischen Raum ist die Pflege der abendländischen Musikkultur Ausdruck einer gemeinsamen europäischen Kulturgemeinschaft regionaler Identitäten.

Abschlusskonzert des Auswahlorchesters „JUNGE BLÄSERPHILHARMONIE CHEMNITZ“ in Kloster Buch.